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Flachs wird schon seit 4000 – 5000 Jahren angebaut und ist der Grundstoff für Leinen. Faserlein oder Flachs (= gemeiner Leinen/ Kulturlein) ist eine Gattung aus der Familie der Leingewächse. Diese Pflanzen sind recht anspruchsvoll und entziehen dem Boden viele Nährstoffe, geben ihm aber, da sie komplett ausgerauft werden und nicht wie viele andere Kulturpflanzen nur teilweise geerntet und untergeackert, keine Nährstoffe zurück. So kommt es, daß die Pflanze den boden unheimlich auslaugt und nur alle 7 Jahre auf dem selben Feld anbebaut werden sollte um eine Regeneration des Bodens zu ermöglichen.

Die daraus gewonnenen Fasern nennt man Flachs, in versponnenem Zustand spricht man von Leinen, manchmal wird auch die Faser selbst so bezeichnet. Die Fasern sitzen in Bündeln angeordnet in der Rinde, die den holzigen Kern der Stängel umgibt. Die einzelnen Fasern sind 20-40 cm lang und werden vom Pflanzenleim (=Pektin) zusammengehalten.

http://www.spinnradclub.de/bilder/fasern/pflanzlich/flachs.jpg

Flachs: ungebleicht, leicht schäbig (links) und gebleicht (rechts)

Gewinnung Bearbeiten

Das Enten des Flachses nennt man Raufen. Dabei werden die Pflanzen mit den Wurzeln ausgezogen, damit möglichst lange Fasern verbleiben.

Dann werden die Pflanzen geriffelt. Dabei werden mit Hilfe eines kammartig geformten Riffelbrettes, über das die Pflanzen gezogen werden, Blätter und Blütenentfernt. Ist der Flachs reif genug fallen die Blätter und Saaten fast von selbst ab.

Dan werden die Pflanzen durch Rösten (= Rotten/ Röthen) weiterverarbeitet. Dieser Arbeitsgang dient dazu den Pflanzenleim (= Pektin) in den Stengeln aufzulösen. Man unterscheidet zwischen der nur ca. 1/2 Stunde dauernden chemichen Röste, bei der der Pflanzenleim durch Anwendung von chemischen Stoffen (Schwefelsäure, Natriumhydroxid oder Chlorkalk.) und Hitzeeinwirkung gelöst werden, und der biologischen Röste. Ein biologisches Röstverfahren ist die Tauröste, bei der die geernteten Pflanzen für mehrere Wochen auf dem Feld ausgebreitet werden. Durch die Taufeuchte begünstigt bilden sich Mikroorganismen, die die Pektine auflösen. Eine etwas schnellere Variante ist die Wasserröste, bei der die Pflanzen in Wasser eingelegt werden und dort mehrere Tage (bei der Verwendung von warmem Wasser = Warmwasserröste) oder sogar mehrere 2-3 Wochen (bei der Verwendung von kaltem Wasser = Kaltwasserröste) verbleiben.

Danach werden die Stängel getrocknet, diesen Vorgang nennt man Darren.

Dann werden die Stängel gebrochen. Dazu zieht man die Stängel über ein scharfkantiges Holz um durch das starke Knicken die holzigen Bestandteile (=Schäben) klein zu brechen.

Beim anschließenden Schwingen werden die Schäben und kurze Fasern (= Schwingwerg/ Werg) aus den guten Fasern herausgeschlagen.

Dann muss der Flachs noch Gehechelt werden. Dazu werden die Fasern über ein Brett mit spitzen Drähten (=Hechel) gezogen um die Fasern noch einmal zu reinigen, Werg auszusortieren und die langen Fasern in eine Richtung zu kämmen. Dadurch entsteht Langflachs. Durch mehrmaliges Hecheln mit feiner werdenden Hecheln entsteht noch schönerer, feinerer Flachs. Das Werg wird zu ebenfalls verspinnbaren Kardenbändern verarbeitet.

Verspinnen Bearbeiten

Aus den langen Fasern werden feine Leinengarne gesponnen, aus den kurzen, minderwertigeren Werg fertigt man gröbere Garne.

Flachs verklebt, wenn er feucht wird, daher solle man ihn trocken aufbewahren und ihn auch nicht unkontrolliert durch Handschweiß anfeuchten. Um das beim verspinnen zu vermeiden sollte man ihn auf einen Stab (=Wocken/ Rocken) binden.

Trockener Flachs hält beim Verspinnen nicht richtig zusammen, daher sollte man ihn unmittelbar vor dem verdrehen anfeuchten (einfach mit feuchten Fingern arbeiten oder die Faser vorher mit Wasser besprengen). Früher arbeitete man mit Flachs daher gerne an feuchten Orten (Flachskeller/ Spinnkeller).

Das verspinnen des Flachses ist anstrengender als die Wollspinnerei und erfordert mehr Erfahrung und Können.